Bergwerktauchen im Sauerland

2013-11-20 16:42

Bergwerktauchen im Sauerland

 

LX und Grifter waren letzte Woche vier Tage im beschaulichen Sauerland zum Bergwerktauchen. Das war mal etwas ganz Neues und daher hatten wir uns mit Stephan Krause von underwaterexplorer.de einen kompetenten und mit den Bedingungen vor Ort vertrauten Guide gebucht. Das eine oder andere Mal hat es schon Überwindung gekostet, aber im Nachhinein bekommt man dafür das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht Lachend

Am ersten Tag waren wir in der Schiefergrube Christine in Willingen. Außer uns keine anderen Taucher. Zwei Minuten Anfahrt vom Hotel zwei Meter neben den speziellen Ablagen für die Doppelgeräte geparkt. Perfekt… 

Dann haben wir erstmal große Augen gemacht. Viele der Infos aus dem Internet betrafen das erst heuer eröffnete Schaubergwerk in Nuttlar, wo wir aber nie geplant waren. Also keine weitläufige Tageslichtzone, keine erste Sohle mit maximaler Tauchtiefe von 14 Metern, sondern nur ein winziger Einsteig und dann gleich über den schmalen und niedrigen Bremsberg Runter bis auf 25 Meter. 

Den ersten Tauchgang haben wir zum Eingewöhnen gebraucht. Da sind wir nur durch einige Gänge geschwommen und waren nach etwas mehr als einer halben Stunde schon wieder aus dem Wasser. Beim zweiten, waren wir dann entspannter und haben uns die erste Abbauhalle und einige Räume angesehen. 

Wir waren an beiden Tagen ganztags auf den Beinen und größten Teils im Freien. Die Temperaturen waren gerade noch angenehm, vor allem da am Nachmittag die Sonne durchkam und wir uns so zwischen den Tauchgängen ein bisschen aufwärmen konnten. Im Winter ist das wohl nicht mehr so lustig. 

Die Wassertemperatur beträgt ganzjährig acht Grad und war bis zu einer Tauchgangsdauer von einer Stunde einigermaßen gut zu ertragen. Auf den Stopps wurde es ein bisschen kühl, aber solange man sich bewegte, war es eigentlich kein Problem. Man kühlt trotzdem im Laufe der Tauchgänge merklich aus, sodass wir uns einig waren, dass es nicht mehr Tage hätten sein müssen. 

Am Samstag war eigentlich alles geplant wie am ersten Tag, nur bei unserer Ankunft waren schon dutzende Autos und Taucher vor Ort. Stephan hat dann vorgeschlagen, dass wir ein paar Minuten weiter zum Bergwerk Brilon nach Schwalefeld fahren, wo normaler Weise aufgrund der Komplexität und der Tiefe keine geführten Tauchgänge durchgeführt werden. 

Offensichtlich hatte er mehr Vertrauen in unsere Fähigkeiten als wir dachten und meinte, es wäre sogar vernünftiger als hier, wo solche Massen durch die Gänge pflügen. Für den Vorschlag waren wir zunächst dankbar. Da sich die Sicht im Bremsberg nach unserem ersten Tauchgang am Vortag deutlich verschlechtert hatte, obwohl wir gut tariert und vorsichtig waren, wollten wir gar nicht wissen, wie die Bedingungen aussehen, nachdem zwanzig andere Taucher da rein und wieder raus sind. 

Dann die nächste Überraschung, gegen das Bergwerk Brilon war die Grube Christine der reinste Kindergeburtstag. Der Bremsberg war hier noch steiler, noch enger und die erste Sohle erst auf 40 Metern. Wir würden beim ersten Tauchgang jedoch einen anderen Einstieg nehmen. Wir mussten mit der ganzen Ausrüstung am Rücken mehrere Minuten, gebückt durch einen schmalen Stollen, ohne Beleuchtung, mit fast knietiefem Wasser waten, bevor wir wiederum an einem kleinen ‚Wasserloch’ ankamen. Dort konnten wir dann einsteigen und durch eine kurze Engstelle direkt das obere Ende einer gigantischen Abbauhalle erreichen. 

Viele Leute würden wahrscheinlich nicht einmal in geeigneter Freizeitkleidung und ohne Gepäck freiwillig bis zu diesem Loch wandern, geschweige denn dorten auch noch abtauchen. Bei uns war das beklemmende Gefühl im Wasser großteils wieder verschwunden und der Faszination für die bizarre Unterwasserwelt gewichen. 

Den zweiten dieses Tages und insgesamt letzten Tauchgang haben wir dann durch den Bremsberg gestartet. Wir waren in Summe über eine Stunde unterwegs, sind in einer der Abbauhallen mit einem Nitrox 30 am Rücken fast 40m abgetaucht, dann über zehn Minuten auf der Maximaltiefe den engen Gängen hintereinander, bei durch gelbliche Toneinlagerungen stark getrübter Sicht, zu einer weiteren Halle gefolgt und nach fast fünfzehn Minuten beschleunigter Dekompression mit Nitrox 50 aus der mitgeführten Stages wieder beim Einstieg des ersten Tauchgangs aufgetaucht. 

Die Eindrücke waren wirklich sensationell. Sicher einer unserer besten gemeinsamen Tauchgänge bisher und vom Anspruch, sowie der mentalen Herausforderung her ganz vorne. Das müssen wir unbedingt wieder machen ;-) 

Euer LX & Grifter

P.S.: Danke auch an Werner und Hannes für die Organisation und nette Begleitung.

Fotos gibts hier

Video ist online

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