Druckkammer-Seminar 2013

2013-08-19 07:15

Tiefenrausch, das Erlebnis haben wir doch alle schon einmal gemacht. Meist jedoch ohne die Grenzen diese Erlebnisses so richtig auszureizen. Mir war bekannt, dass es möglich war in einer Druckkammer einen simulierten Tauchgang auf 50m zu machen, jedoch hab ich nie die nötige Motivation gehabt um mich darüber zu informieren. Das änderte sich als mein Freund Alex Geburtstag hatte. Ein super Geschenk musste her: eine Druckkammerfahrt.

Am 17.  März 2013 war es soweit und wir machten uns auf den Weg nach Graz. Den nötigen Papierkram hatten wir vorher erledigt: Tauchtauglichkeitszeugniss, Brevets, Anzahl der Tauchgänge nachweisen und ganz wichtig, die Verzichtserklärung unterschreiben, dass wir im Fall einer DCS auch nicht die Druckkammer verklagen würden. Dann noch 85 Euro an Harry zahlen und der Fahrt stand nichts mehr im Weg.

Die Druckkammer ist im Grazer Krankenhaus gelegen. Mitten im Raum steht eine 2-Kammer Druckkammer die groß genug ist um ein ganzes Operationsteam unterzubringen. Wir waren anfangs noch 7, aber ein Teilnehmer bekam Platzangst und hat vorzeitig abgebrochen. Nach einer kurzen Einweisung durch das Personal ging es „abwärts“, dh. der Druck wurde erhöht: 6 bar/50 Meter war unser Ziel. Unsere Tauchcomputer durften im Wasserbehälter auch mitfahren. Die ersten paar Meter ist man damit beschäftigt den Druckausgleich durchzuführen. Ab 20m wird’s lustig, denn die Stimme verändert sich und wird mit steigendem Druck immer höher, gleich wie nach inhalieren aus einem Heliumluftballon. Laut Alex klingt ab 20m jeder wie ein Steirer. Wir fahren weiter und mit steigendem Druck wird es immer wärmer in der Kammer. Wir werden auch immer lustiger, weil die Stimme einfach unglaublich schräg klingt oder der Tiefenrausch langsam einsetzt?! Ich hab den Tiefenrausch ab ca. 45m gespürt mit den klassischen Symptomen wie Tunnelblick, metallischer Geschmack im Mund und eingeschränkte Motorik. Alex war auf 50 nur damit beschäftigt sein Origami und die verschiedenen Knoten zu üben (ich sag nur: Fokussierung auf eine Sache). Bei 50m wäre ich sicher nicht mehr in der Lage gewesen einen vernünftigen TG zu führen, geschweige denn ein Problem zu lösen. Glücklicherweise lässt der Rausch beim Aufsteigen schnell nach und ab 40 m war es wieder vorbei. Während wir aufstiegen haben wir alle gespannt auf den zuvor auf 50m aufgeblasenen Luftballon geschaut, der immer größer und größer wurde und schließlich bei 20m explodierte (Regel # 1: Never hold your breath“). Die Fahrt ging weiter und wir fingen an die Deko-Stops einzuhalten. Als wir auf 3 m unseren letzten Stop machten fragte mich Alex ob es mich auch jucken würde. Mein erste Gedanke: Scheiße Taucherflöhe. Wir Dekomprimieren weiter…und tauchen schließlich auf.

Bei der Nachbesprechung hatte Alex immer noch die „Flöhe“ und erkundigte sich beim leitenden Arzt. Seine Reaktion „Wir haben ein Problem“. Und schon wurde mein Freund auf eine Trage gepackt und unter reinem Sauerstoff auf 18m geparkt! Reiner Sauerstoff auf 18m, d.h ein Partialdruck von 2.8 Bar?! Wir alle lernen, dass 1,4 bar maximal und 1,6 bar die oberste Grenze sei, nun das trifft im Freiwasser zu. Bei kontrollierten Bedingungen wie in einer Druckkammer, kann reiner Sauerstoff auch auf 18m verabreicht werden. Die Temperatur (ca. 25°C) und das ruhige Liegen machen es möglich, dass der Körper diesen Partialdruck toleriert. Leider hat Alex Körper den Sauerstoff nicht so gut vertragen (kribbelnde Lippen), so dass er Luftpausen einhalten musste, die die ganze Deko-Behandlung in die Länge gezogen haben. Insgesamt war er nochmal 2h in der Kammer bis die „Flöhe“ verschwunden waren.

Während Alex dekomprimierte, stand uns der leitende Arzt für alle Fragen zur Verfügung. Dabei haben wir folgende Aussagen für die Tauchgangsplanung diskutiert:

1)      Anstrengung: Es zählen die TAGE nicht nur nach, sondern auch vor einem Tauchgang. Alex und ich hatten einen Tag zuvor eine anstrengend Bergtour gemacht, die unsere Körper gestresst haben. Das könnte eine mögliche Ursache für seine Taucherflöhe sein.

2)      Hydrierung: Vor einem Tauchgang sollte man mindesten 2h vorher 1l Wasser trinken. Es reicht nicht kurz davor die Flüssigkeit zu sich zunehmen, denn dann ist sie im Magen und nicht in den Geweben.

3)      Computer: (1) sollten auf Taucher zugeschnitten sein um dessen physische Verfassung in die Berechnung einzubeziehen und (2) sind meist nicht konservativ genug! Bei unserer Fahrt hat keiner der Computer angezeigt, dass es ein Problem gibt. Das Personal der Druckkammer empfiehlt auf Tabellen umzusteigen bzw. mit diesen den geplanten TG zu überprüfen.

4)      Körperliche Fitness ist in jedem Fall gut und förderlich für eine problemfreie Dekompression. Daher waren wir umso überraschter, dass Alex als trainierter Sportler die Flöhe bekam. Die Tauchmediziner erklärten, dass es nicht nur auf einen Faktor ankommt, sondern auf mehrere. Besonders:

5)      Gewöhnung: Der Körper gewöhnt sich daran Stickstoff wieder abzugeben. Alex war Tauchanfänger mit ca. 20 TG, meistens im flachen Wasser. 50m war sein Körper einfach noch nicht gewöhnt.

6)      Max. Anzahl der Tauchgänge: das Personal der Druckkammer empfiehlt, maximal 3 TG am Tag, besser nur 1 TG und dann auch nur 2 Tauchtage gefolgt von einem tauchfreien Tag!

7)      Höhenwechsel nach TG immer beachten!

8)      Starke körperliche Anstrengung oder Stress unter Wasser erhöht die Atemaktivität, was vor allem in großer Tiefe die Stickstoffaufnahme erheblich erhöht. Dementsprechend erhöhen sich auch die erforderlichen Dekompressionszeiten. Alex Begeisterung über die hohe Stimme in der "Tiefe" und die damit verbundenen Lachanfälle spielten daher wahrscheinlich mit eine Rolle bei der Entwicklung der Taucherflöhe.

FAZIT: die Druckkammerfahr war ein lehrreiches Erlebnis und ich kann  auch behaupten, dass das Druckkammer-Seminar inkl. Taucherflöhe und Deko-Behandlung ein unvergessliches Geburtstagsgeschenk war J

LINKS:

Duckkammer Graz:

http://chirurgie.uniklinikumgraz.at/thorax_und_hyperbare_chirurgie/Patientenbetreuung/Druckkammer/Seiten/default.aspx

Harrys Tauchschule:

http://www.tauchschule.co.at/

 

Gruß, Frenzy

 

Bilder gibts hier

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Kommentar von LX | 2013-08-19

Danke für den Bericht.
Echt coole Sache.
Wie man sieht hattet ihr euren Spaß.

Kommentar von Grifter | 2013-08-21

Super Geburtstagsgeschenk, netter Bericht, Daumen hoch!